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Santorini

Santorin(i) (griechisch ?????????, auch Thíra; in der Antike Thera, griechisch ????) ist eine griechische Insel in der Ägäis, die südlichste der Kykladen. Sie liegt ca. 100 km nördlich von Kreta, in 36° 25' nördlicher Länge und 25° 26' östlicher Breite, ist 71 km² groß und dauerhaft von rund 9.700 Einwohnern bewohnt (2005). Die Insel hat eine sichelförmige Gestalt und bildet mit den ihr gegenüber liegenden kleinen Inseln Thirasía (Therasia) und Aspronísi eine alte Caldera. Die höchste Erhebung der Insel, der Eliasberg (575 m), wird von Marmor und Tonschiefer, also nicht-vulkanischen Gesteinen aufgebaut.

Geologische Entwicklung

Den Kern der Insel Santorin bilden metamorphe Gesteine des Mesozoikums, vor allem Marmore und Tonschiefer- und Phyllitfolgen, die auch die höchsten Berge der Insel Thera bilden. Diese Gesteine haben zum Teil eine Blauschiefer-(Hochdruck-Niedrigtemperatur)-Metamorphose erlebt.

Vor etwa zwei Millionen Jahren, nach neueren Altersbestimmungen möglicherweise sogar vor nur einer Million Jahren begann die vulkanische Aktivität, die zum Entstehen der Inselgruppe von Santoríni führte. Dabei bildeten sich im Südwesten und später im Norden Vulkaninseln, die durch die Ablagerungen der späteren Ausbrüche langsam zu einer Insel zusammenwuchsen. Mindestens ein Dutzend dieser Ausbrüche hatte einen VEI-Wert von 6 oder mehr, stieß also mehr als 10 Kubikkilometer Asche, Lava und Geröll aus. Vermutlich vier dieser Ausbrüche gaben der beinahe beispielhaften Caldera von Santorin ihre heutige Gestalt. Etwa alle 20.000 bis 30.000 Jahre gibt es einen Ausbruch von dieser Größe, den letzten vor weniger als 4.000 Jahren.

Minoische Zeit

Im Jahr 1867 wurden erstmals Ruinen aus minoischer Zeit (der Begriff "minoisch" war damals noch nicht gebräuchlich, sondern wurde erst von Arthur Milchhöfer geprägt) vom französischen Geologen Ferdinand André Fouqué ausgegraben. Die Mauerreste wurden damals als Bauernhäuser gedeutet, die zu einem bescheidenen minoischen Außenposten gehörten.

Genau einhundert Jahre später grub der griechische Archäologe Spyridon Marinatos bei Akrotíri, und fand unter meterdicken Ascheschichten die Überreste von Gebäuden, Straßen und Plätzen. Die ersten Spuren von Besiedlung stammen noch aus der Jungsteinzeit, aus dem 5. Jahrtausend v. Chr.. Im frühen zweiten Jahrtausend vor Christus wurde Thera zu einem der bedeutendsten Häfen der Ägäis. Objekte aus Zypern, Syrien und Ägypten lassen auf ein weites Handelsnetz schließen. Zahlreiche gut erhaltene minoische Fresken wurden freigelegt. Man ist sogar der Meinung, Überreste von Wasserleitungen und Wasserklosetts gefunden zu haben. Um 1500 v. Chr. - oder, falls sich das unten diskutierte Datum bestätigen, um 1630 v. Chr. - scheint die Epoche des blühenden minoischen Hafens auf Thera beendet.

Minoische Eruption

Über Datum und Folgen der letzten großen Eruption stritten sich die Wissenschaftler lange Zeit. Populär war die erstmals von Auguste Nicaise formulierte Theorie, der Ausbruch des Santoríni hätte die minoische Kultur etwa um 1500 v. Chr. ausgelöscht. Sicher schien zumindest, dass der Vulkanausbruch der gewaltigste innerhalb der letzten 5000 Jahre war. Aufzeichnungen der Ägypter sprechen von einer Periode mehrerer Tage Finsternis. Diese könnte durchaus durch eine gewaltige Eruption verursacht worden sein, durch die enormen Mengen vulkanischen Materials in die Atmosphäre gelangte. Ähnliches beobachtete man beim Ausbruch des Tambora 1815, dem anderen großen Vulkanausbruch der letzten 5 Jahrtausende.

Doch die Theorie vom Zusammenhang des Untergangs der Kutur der Minoer und einem Vulkanausbruch auf Thera kam ins Wanken, als minioische Keramik genauer typologisiert und datiert wurde. Auf Kreta gibt es noch Keramikstufen, die sich auf Thera nicht fanden. Folglich fand der Ausbruch mit der Verschüttung der minoischen Siedlung Akrotiri etwa ein halbes Jahrhundert vor dem Zusammenbruch der minoischen Kultur statt. Vor einigen Jahren wurde versucht, den Zeitpunkt des Ausbruchs mit naturwissenschaftlichen Methoden neu zu datieren. So ergab die Untersuchung der Eisschichten auf Grönland durch den dänischen Gletscherforscher Claus Hammer die Eruption eines Vulkans um das Jahr 1644 v. Chr. (+/- 20 Jahre). Ein noch genaueres Ergebnis lieferte die dendrochronologische Untersuchung jahrtausendealter Bäume aus Kalifornien. Dabei ließ sich ein extrem kalter Sommer für das Jahr 1627 v. Chr. nachweisen. Auch 1816 sorgte der Ausbruch des Tambora für eine Abkühlung des Weltklimas, den sogenannten Vulkanischen Winter. Die Folge war das Jahr ohne Sommer.

Die letzte große Eruption fand - sollten diese Ergebnisse im Zusammenhang mit dem Ausbruch auf Thera stehen und nicht mit einem gewaltigen Vulkanausbruch irgendwo anders auf der Erde - somit 1628 v. Chr. statt, beinahe 200 Jahre vor dem bisherigen angenommenen Zusammenbruchs der Minoischen Herrschaft auf Kreta und etwa 130 Jahre vor dem bisher durch Cross-Dating mit der ägyptischen Chronologie ermitteltem Datum. Ein direkter Zusammenhang zwischen beiden Ereignissen existieren nicht (s.o.). Dennoch glauben einige Forscher, dass eine solche Katastrophe nicht spurlos an den Minoern vorbei ging. Der Grund für das Verschwinden der minoischen Kultur könnten indirekte Folgen des Vulkanausbruches von 1628 v. Chr. gewesen sein, welche die minoische Kultur stark in Mitleidenschaft zogen: Es wird spekuliert, dass der Vulkan einen Tsunami auslöse, dessen bis zu 12 m hohe Wellen Kretas Häfen im Norden sowie einen Teil der Schiffsflotte (Handelsschiffe und Fischerboote) zerstört haben könnte. Des weiteren haben Holzproben an Eichen aus den irischen Hochmooren ergeben, dass für die Zeit zwischen 1627 und 1618 v.Chr. fast jegliches Wachstum fehlt. Dies lässt auf sinkende Temperaturen und/oder erhöhte Feuchtigkeit für diesen Zeitraum schließen. Als Folge eines abgekühlten Weltklimas dürften die Ernten der Minoer über Jahre hinweg miserabel ausgefallen sein. So meinen der Belgier Jan Driessen und der Brite Colin MacDonald Hinweise zu haben, dass es im 17. Jahrhundert vor Christus tiefgreifende Umbrüche in der minoischen Kunst und Architektur gab, die auf soziale Spannungen oder sogar einen Bürgerkrieg in Folge des Santorin-Ausbruchs schließen lassen.

Dem Ausbruch gingen einige Erdbeben voran. Die Bewohner verließen daraufhin die Insel und hatten genügend Zeit, ihre beweglichen Habseligkeiten mitzunehmen. Bei den Ausgrabungen in Akrotiri wurden weder Leichen noch Schmuck oder andere persönliche Gegenstände gefunden. Neben den Architekturresten traten hauptsächlich große Vorratsgefäße zu Tage, die beim Verlassen der Inseln aufgrund ihrer Schwere zurückgelassen wurden. Einige Zeit nach den Erdbeben wurde Akrotiri offenbar wieder aufgesucht und man begann Schäden an den Gebäuden auszubessern bzw. einsturzgefährdete Wände niederzureissen. Kurz darauf wurde die Insel aber offenbar wieder verlassen, da nun die eigendliche Katastrophe (der Vulkanausbruch) begann. Es werden insgesamt 4 Stufen unterschieden. Zunächst wurde feiner Bimsstein ausgeworfen. Danach herrschte vermutlich eine zeitlang Ruhe, doch die Insel blieb verlassen. In der 2. und 3. Stufe wurden immer größere Bimssteine ausgeworfen. Durch deren Wucht wurden viele Gebäude beschädigt. An einigen Stellen ist die Bimssteinschicht, die sich im Laufe dieser Phase der Eruption auf Insel bildete, mehrere Metrer dick. Schließlich wurden in der 4. Stufe aus dem Erdinnern riesige Magmamengen aus dem Krater geschleudert. Das Vakuum, das dadurch unter der Erdkruste entstand, ließ diese einbrechen, wodurch eine große tiefe Caldera entstand, die sich rasch mit Wasser füllte. Dadurch bekam die Insel ihr Aussehen, dass sie in etwa noch heute hat. Die Eruption hatte nach neueren Untersuchungen eine Stärke von 7,0 auf der Volcanic Explosivity Index-Skala, die von 0 - 8 reicht. Ein Wert von 7,0 wird sehr selten (statistisch ein bis wenige Male pro Jahrtausend) erreicht und damit ist die Stärke der Eruption auf Thera 10 mal höher als früher angenommen.

Weitere Geschichte

Einige Zeit nach dem Ausbruch wurde Thera wieder von Minoern besiedelt, sie verschwanden dann jedoch etwa zeitgleich mit den Minoern auf Kreta (um 1450 v. Chr.). In den folgenden Jahrhunderten wurde die Insel von den mykenischen Griechen besiedelt.

Danach wurde Thera von den Doriern kontrolliert. Laut Herodot schickte die Insel nach einer siebenjährigen Dürre Kolonisten unter anderem nach Nordafrika. Diese gründeten dort das einst so mächtige Kyrene, das im Peloponnesischen Krieg auf seiten der Spartaner stand.

Wie ganz Griechenland fiel auch Thera schließlich einige Jahrhunderte unter römische, dann unter byzantinische Herrschaft. Mit den Kreuzzügen kamen die Franken, 1208 entriß Marko Sanudo, Herzog von Náxos, die Insel dem lateinischen Kaiser in Konstantinopel. Dann gehörte sie den Venezianern. Seit dieser Zeit heißt die Insel Santoríni, nach der Heiligen Irene (italienisch: Sánta Iríni), die dort ihren Märtyrertod gestorben sein soll. Im Jahr 1537 wurde die Insel schließlich von den Osmanen unter Khair ad-Din Barbarossa eingenommen.

Die Kaiménes-Inseln

Auf der nebenstehenden Skizze ist die nahezu kreisrunde Form des ehemaligen Vulkankegels deutlich zu erkennen; der rote Punkt markiert die Lage des Hauptortes Thíra.

In der Mitte haben sich in historischer Zeit durch unterseeische Ausbrüche mitten im Meer neue Eruptionskegel gebildet. So erhob sich 198 v. Chr. das Eiland Hierá, jetzt Palaiá Kaiméni (die "alte Verbrannte" [Insel]), das sich später immer mehr vergrößerte; 1573 entstand das Eiland Mikrí Kaiméni (die "kleine Verbrannte") und 1707-1709 die Insel Néa Kaiméni (die "neue Verbrannte"), welche noch fortwährend Schwefeldämpfe (im Geórgios-Krater) ausstößt. Seit Mitte Februar 1866 tauchten in unmittelbarer Nähe von Néa Kaiméni unter heftigen vulkanischen Eruptionen zwei neue Inseln auf, die Georgsinsel und Aphroessa; sie bestanden aus Lava, aus deren glühenden Spalten Dämpfe entwichen.

Nach innen zu fallen die Küsten von Santoríni und Thirasía gegen 200 bis 300 Meter senkrecht zum Meer ab, welches stellenweise eine Tiefe von über 200 Faden (365,8 m) besitzt; nach außen senken sich die Inseln allmählich zum Strand hin. Landeinwärts, wo die vulkanischen Massen durch die Länge der Zeit verwittert sind, bringt der Boden besonders Wein (in 70 Arten, früher auch Gerste und Baumwolle) hervor. Die Weine (vino santo) von Santoríni sind vorzüglich. Weitere Produkte waren bis in die 1980er Jahre die Santorinerde (vulkanischer Bims), eine Art Traß, die zu Wasserbauten (Bims * gebrannter Kalk = hydraulischer Zement) verwendet wird und Bleierz (in antiker Zeit wohl auch Kuper- und Golderze - die Bergwerke liegen unter dem Meeresspiegel unterhalb von Megalochóri).

Hauptort der Insel Santoríni ist Thíra an der Westküste, der durch die typische Bauweise mit niedrigen, weißen Häusern und Mauern touristisch bekannt ist.

Sehenswürdigkeiten:

  • Oía (gesprochen "Ia")
  • Ausgrabungen von Alt-Thera oder Thíra
  • Ausgrabungen von Akrotíri
  • der Steilküstenweg von Thíra nach Oía
  • Das neue archäologische Museum und die Ausstellung der minoischen Wandmalereien (3D-Rekonstruktionen) im Nomikós-Ausstellungszentrum, das Gysi-Museum und das alte archäologische Museum bei der Seilbahn Thíra
  • die Inseln im Krater

Tourismus und Verkehr

Der Flughafen Santorin ist im Linienverkehr via Athen zu erreichen. Ab Piräus gibt es mehrmals täglich Fähren (mit verschiedenen Zwischenstops). Santoríni ist eine beliebte Station auf Kreuzfahrt-Schiffen.

Wichtige Badestrände sind:

  • Kamári
  • Périssa
  • Der rote Strand bei Akrotíri und die Balos-Bucht nördlich von Akrotíri an der Innenküste der Caldera

Klima

Santoríni weist (wie die Kykladen allgemein) die meisten Sonnenstunden in Griechenland auf. Während der Sommermonate Juni bis September sind kaum mehr als ein Regentag je Monat zu verzeichnen. Die durchschnittlichen Tagestemperaturen reichen im August bis zu 29 ° Celsius, die Wassertemperaturen erreichen den Höchststand von 25 Grad ebenfalls im August. Die Hauptregenzeit fällt in die Zeit von Dezember bis Februar mit bis zu durchschnittlich neun Regentagen je Monat. Die Lufttemperaturen fallen bis auf durchschnittlich elf Grad in dieser Zeit.
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